„Laissez les bons temps rouler“

Montag, 18.03.2013

„I see that I’m a little piece in a big, big universe. And that makes things right. When I die, the scientists of the future, they’re gonna find it all. They gonna know, once there was a Hushpuppy, and she live with her daddy in the Bathtub.” - Beasts of the Sothern Wild (if you haven’t seen it yet, you need to!!!)

Gerade stoppen wir in Birmingham Alabama - eine traurig aussehende Stadt. Jetzt bin ich doch froh, dass ich dort nicht übernachtet habe. Ich sitze im Snackwagen und esse. Der Vorteil: Ich in Ruhe aus dem Fenster schauen; einen Fensterplatz habe ich nämlich leider nicht. Aber der Zug ist toll! Beinfreiheit, das könnt ihr euch nicht vorstellen, und gerade, als ich dachte, jetzt fehlen nur noch Decken und Kissen, kam die Schaffnerin mit Kissen durch. Das Einzige was fehlt sind die Fernseher;) und das Internet…nicht einmal mein Handy hat unterwegs Internet. So schlafe ich viel, durch die Zeitumstellung letzte Nacht (Gott sei Dank für facebook Posts, ich hätte das sonst komplett vergessen…) gab es recht wenig Schlaf, immerhin fuhr mein Zug heute schon um 7:30 los. Jetzt ziehen die Südstaaten so am Fenster vorbei - fast könnte man denken, es wäre der Holter Wald, bei den vielen Bäumen. Zwischendurch immer mal wieder kleine Bäche und viele Felder mit Kühen. Dazu Farmhäuser. So richtig südstaatlich wirkt es irgendwie nicht. Bis dann der vereinzelte Pick-up Truck durchfährt und mich daran erinnert, dass wir in den USA sind. Das tut auch der unglaublich starke Slang der Leute hier und die Tatsache, dass 80% der Mitfahrenden übergewichtig sind - kein Wunder bei dem Essen - oh und erzkonservativ (zumindest die wenig Weißen).

Heute Morgen beim Einchecken, als der Herr meinte, ich wäre zu spät und könnte meinen Koffer nicht mehr aufgeben, habe ich gemerkt, wie erschöpft ich eigentlich bin. Am liebsten hätte ich ihm meinen Koffer um die Ohren geknallt, mich auf den Boden gesetzt und mich da nicht mehr wegbewegt;). So schön das Reisen ist, so anstrengend ist es (zumindest, wenn nicht alles vorher fest geplant ist). Das habe ich schon die letzten Tage gemerkt. Manchmal fehlt dann doch die Energie, ins Museum zu gehen oder noch einen Punkt auf der Liste zu anzuschauen. Bis gestern Nacht wusste ich nicht, wo ich heute übernachte und für Miami habe ich auch noch nichts. Meistens findet sich irgendwas und das macht es ja spannend, aber eben auch anstrengend. Aber jetzt zu New Orleans:

T., bei der ich übernachte, hat mich ebenfalls vom Bus abgeholt. Sie ist kaum älter als ich und hat letztes Jahr einen Rucksacktrip durch Südamerika gemacht - so gab es viel Gesprächsstoff. Ich hatte sogar wieder ein eigenes Zimmer:). Gleich am ersten Abend sind wir zum Essen ins French Quarter (NOLA’s Hauptattraktion) gegangen. Es gab typisches „Southern Comfort Food“: Reis mit Bohnenbrei und dazu frittiertes Hähnchen. Alles im Süden ist frittiert! Wenn ich das täglich essen würde, würde ich auch so aussehen wie die Mehrzahl der Leute hier! Und die Portion, das war bestimmt ein halbes Hähnchen…aber lecker war es!!! Danach sind wir noch ein bisschen durchs French Quarter (das Hähnchen ablaufen). Es hat keine Stunde gedauert, da hatte ich mich in die Stadt verliebt! An jeder Straßenecke spielte jemand Musik, es gab viele Galerien und die Häuser sehen fantastisch aus. Allerdings ist die Armut noch immer extrem hoch und das sieht/merkt man.

Am nächsten Tag bin ich dorthin zurück und habe mir alles bei Tage angeschaut. Ich hätte stundenlang herumlaufen können. Natürlich ist alles sehr touristisch, aber dazwischen gibt es so viele kleine Läden mit tollen Sachen, Kunst zu bestaunen und leckeres Essen. Zum Mittag gab’s Beignets, eine New Orleans-Spezialität (frittierter(!) Teig mit Puderzucker) - lecker! Außerdem habe ich mir aus der Hand/Tarot lesen lasse. Die Stadt ist bekannt für alles mystische, Übernatürliche, Voodoo etc. Es gibt also keinen besseren Ort als hier, so etwas mal auszuprobieren. An jeder Straßenecke sitzen Leute, die dir aus der Hand lesen wollen, aber ich dachte, wenn ich so was mache, dann auch richtig. Also bin ich zum Voodoo Haus (das Bekannteste dort) und habe auch gerne etwas mehr bezahlt. Das Ganze war wirklich eine Erfahrung und erschreckend korrekt (in jedem Fall hat es mich fasziniert, wie schnell und genau er mich analysieren konnte!). Ich fand es toll! Am Mississippi war ich natürlich auch und habe eine kleine Bootsfahrt gemacht. Das war eines dieser surrealen Erlebnisse. Nicht, dass der Fluss so besonders aussieht, aber der Gedanke auf dem Mississippi zu sein, war ziemlich unglaublich. Vielleicht, weil es der erste Fluss ist, den man außerhalb von Deutschland kennt (wer hat als Kind nicht Tom Sawyer gelesen…!) und er in so vielen Büchern/Liedern vorkommt.

Das Einzige, was mich an der Stadt extrem gestört hat, waren die Massen an Menschen, die schon um 10.00 Uhr morgens völlig betrunken sind. T. meinte zwar, dass es dieses Wochenende extrem war, aber New Orleans ist nun mal eine Partymeile. Jeder hatte mich vorher vor der Bourbon Street gewarnt und ich habe sie, nach einmal durchgehen, auch gemieden. Dort reihen sich die Bars aneinander und es wird 24h gefeiert, aber meistens halten sich dort nur Touristen auf. Dazu kommt, dass in New Orleans nicht - wie fast überall sonst in den USA - Alkoholverbot auf offener Straße gilt. Um 16.00 Uhr hatte ich dann das Gefühl nur noch von Betrunkenen umgeben zu sein, was irgendwann ziemlich nervig wurde.

Abends haben T. und ich uns dann ein Theaterstück angeschaut. Ihre Freundin kannte den Schauspieler und hatte kostenlose Tickets. Es war eine Parodie zu „50 Shades of Grey“ und ich habe selten so gelacht;). Im Anschluss sind wir noch mit allen zur Frenchman Street - wo das feiernde Publikum etwas angenehmer ist und es in den Clubs und Bars tolle live Musik gibt: Bluegrass, Brass und Indie - I love this town! So war schon die vorherige Nacht recht kurz, obwohl ich morgens ein bisschen später aufgestanden bin. Der gesamte Samstag war dann auch entspannter. T. hatte mir ein süßes Café zum Frühstücken empfohlen und ich habe mir die tollen Mansions im Garden District angeschaut. Das Wetter war an beiden Tagen richtig heiß und sonnig, aber so wirklich fit war ich nicht mehr und so habe ich es mir am Fluss gemütlich gemacht und mir die verschiedenen Künstler im French Quarter genauer angehört. Nachmittags sind wir dann zu einem Foodtruck Festival - ein bisschen wie eine Kirmes aber minus der Karussells und Spielbuden - also nur Essen;).

Ein bisschen verzweifelt war ich abends allerdings, als ich noch immer nicht wusste, wo ich in Atlanta schlafen würde. Selbst mein Reiseführer sagt: „In Downtown ist es unmöglich ein Hotelzimmer für unter 150$ die Nacht zu bekommen“, sodass auch das keine Option war. Zur Ablenkung und zum Abschied habe ich noch einen Abendspaziergang gemacht. Das ist die Zeit, in der mir das Quarter am besten gefällt: Wenn es dunkel ist und die meisten Geschäfte geschlossen haben. Dann sind die Gaslaternen an, man kann durch die Fenster in die erleuchteten Galerien sehen und abseits der Bars ist eine angenehme Anzahl an Menschen unterwegs. Man hört Saxofon oder Gitarrenmusik und die Abendluft ist warm. Es gibt nichts Schöneres! Ich würde sofort meine Sachen packen und dort hinziehen. Ganz süß auch die Street Cars, ähnlich denen in San Francisco, die es einfach machen irgendwo hinzukommen. Ich wäre gerne länger geblieben und vermisse die Stadt jetzt schon!

Auf nach Atlanta, wo es nicht nur unmöglich ist, eine Unterkunft zu finden, sonder mein Reiseführer auch sagt, die Stadt sei hässlich;).

Welcome to the South, y’all!

Dienstag, 12.03.2013

“No city in this country offers more diversity and opportunity alongside such friendliness and hospitality as Houston does.”

Angekommen am Houstoner Flughafen habe ich mich nicht sofort wie in einer anderen Welt gefühlt. Immerhin war ich in Texas, sollte das nicht irgendwie was Besonderes sein?;) Jetzt hieß es, nach Downtown zu kommen, wo meine Gastgeberin mich abholen wollte. Ich hatte mich nicht nur entschieden Busse und Bahn zu benutzen für den Trip, sondern auch, wo möglich, Couchsurfing zu machen. Sorry für alle, die wissen, was das ist, aber eine kurze Erklärung ist notwendig. Couchsurfing ist eine Website, auf der man Leute auf der ganzen Welt finden kann, die ihre Couch kostenlos für Reisende zur Verfügung stellen. Aber es ist viel mehr als das und eben kein kostenloses Hotel; es geht um Austausch, verschiedene Kulturen kennenzulernen und „Einheimische“ zu treffen. Couchsurfing ist super! Also ja, man übernachtet bei wildfremden Menschen zu Hause - auf der anderen Seite laden Leute wildfremde Menschen zu sich ein. Ich finde es toll, weil man so die Stadt ganz anders kennenlernt und besonders wenn man alleine reist, ist es nett. Mehr dazu später.

Die erste Herausforderung war also Downtown - oder nein, die erste Herausforderung war das Gepäckaufgeben in LA. Natürlich hatte mein Koffer Übergewicht - ganze 6kg. Zum Glück darf man bei American Airlines aber immer noch 2 Gepäckstücke kostenfrei aufgeben, sodass ich mein Handgepäck einfach mit aufgegeben habe und eine große Stofftasche voll aus dem Koffer als Handgepäck genommen habe. Sonst hätte es $100 extra gekostet O_O.
Außerdem, vielleicht weil ich den Flug über meine Meilen gebucht hatte, (das hört sich richtig toll an, so bereist;)), hatte ich „Priority Boarding“. Zwar musste ich noch warten, bis alle Gold, Silver, Platinum, Saphire und was-weiß-ich für Mitglieder geboardet hatte, aber dann durfte ich vor den „normalen“ Passagieren rein! Nicht das es so toll ist früh im Flieger zu sein, aber ein bisschen besonders fühlt man sich schon;).

Jetzt aber zu Houston und dem Mann an der Information, der ein Gesicht machte, als hätte er in einen sauren Apfel gebissen, als ich ihn nach dem Bus nach Downtown fragte. Das würde „Stuuuuunden“ dauern meinte er, aber da hinten wäre der Shuttle Service oder ich könnte auch ein Taxi nehmen. Auch auf erneutes Nachfragen schien er nicht begeistert von meiner Idee. Immerhin hat er mir einen Fahrplan in die Hand gedrückt. Ein kurzer Besuch am Shuttle Service hat mich überzeugt, dass ich die $25 lieber spare und für $1,25 den genauso bequemen Bus nehme. Gleich ist mir aufgefallen, dass die Bevölkerung viel gemischter ist - und das, obwohl ich aus LA kam! Wie immer beim Busfahren war ich eine von zwei Weißen. Nach Tokyo und Cairo kann mich das aber nicht mehr erschüttern.

Der netter ältere Herr, der sich neben mich setzte, grüßte sofort superherzlich - immerhin hatten mir alle vorher gesagt, dass die Südstaatler besonders freundlich sind. Etwas das ich bis jetzt nur bestätigen kann! Als ich ihn nach seinem Tag gefragt hat, gab es folgende Antwort (die einfach so gut ist, dass ich sie aufschreiben muss): „Everyday that I wake up is a good day. The only bad day is a day when you don’t know what kind of day it is.“ - Was für eine Weisheit!^^

An der Busstation hat  - lasst sie uns Mrs. B. nennen - mich abgeholt. Das allein fand ich schon super lieb! Meine „Unterkunft“ waren also die B.’s - Mr. und Mrs. B. mit litte B. und Baby B. (6 Wochen!). Ich fand es schon unglaublich, dass sie mich bei sich wohnen haben lassen und erst vor 6 Wochen ein Kind bekommen hatten. Der Kleine war so süß! Sie wohnen in einem hübschen Haus in Downtown und ich hatte sogar ein eigenes Zimmer! Die 4 waren super, total entspannt und freundlich und mit einem Englisch, das ich sogar verstehen konnte;). Am nächsten Morgen stand Frühstück auf dem Tisch, es gab extra Kaffe für mich und Mrs. B hat sich den ganzen Tag Zeit genommen mir die Stadt zu zeigen - es war „amazing“! Abends gab es local food - Burgers am Dienstag und TexMex (eine Mischung aus Texanischem und mexikanischen Essen, das sich aber nicht von dem Mexikanisch in LA unterscheidet). Mittwochs war dann Sightseeing in Houston angesagt:

Ein Spaziergang durchs wunderschöne Arboretum, das mich fast an zuhause erinnert hat, mit Seen und Wanderpfaden und viel Wald! Houston hat einen der größten Parks und sowieso ist alles grün und es gibt viele Wander- und Radwege - das hat mir schon mal gefallen! Mittag gabs dann auf dem Farmers Market in Downtown - das mich irgendwie an Denver erinnert hat. Viel sauberer und hübscher, aber erstaunlich ruhig und entspannt für die 4-größte Stadt in den USA. Baby B. war die ganze Zeit dabei und zufrieden. Nachdem wir den Markt erkundet hatten, sind wir zum Menil, einem Kunstmuseum oder eher einer ganzen Nachbarschaft. Es gab eine tolle Kapelle mit Kunstwerken und viele Objekte draußen im Park. Das Wetter war zwar nicht California-warm, aber wunderschön sonnig und frühlingshaft angenehm. Ein toller Tag und ich bin unglaublich traurig, dass ich heute schon wieder fahren muss. Houston ist richtig schön. Dafür, dass ich vorher überhaupt kein Bild davon hatte und alle immer nur meinten, dass Austin besser wäre, bin ich positiv überrascht. Es gibt so viel Natur, jeder, den ich getroffen hab, tut alles, um einem zu helfen und es gibt viel zu sehen und zu erleben. Außerdem ist der Ozean nur 45 Minuten entfernt! Perfekt.

Donnerstagmorgen hat Mrs. B mich zur Busstation gebracht - auf geht’s nach New Orleans! Greyhound fahren ist an sich ein Erlebnis - aber immerhin habe ich für das Ticket genau $3,50 bezahlt! 8 Stunden Fahrt, das ist Wahnsinn! Netterweise musste ich auch nichts dazuzahlen, obwohl ich eigentlich einen Koffer zu viel hatte. Dafür hat mir der Security Guard an der Station gleich seine Lebensgeschichte erzählt - von seiner Mutter, die ihn verprügelt hat - und mir Ratschläge fürs Leben gegeben. Die Leute hier sind schon interessant, aber hatte ich erwähnt wie freundlich?;) Auch die Frau im Museum gestern hat uns alles über ihren ehemaligen Freund erzählt, von dem sie mit 15 ihr erstes Kind bekommen und der sie dann betrogen hat.

Neben mir im Bus sitze F. (ich glaube das ist sein Name, ich habe Probleme ihn zu verstehen, was mir bei vielen der Leute hier so geht;), aber auch daran liegen kann, dass er kaum noch Zähne hat). Er ist recht redselig, ich eher müde - da komme ich mir bei all der Höflichkeit richtig unfreundlich vor. Bestes Beispiel: Ich heute Morgen an der Busstation: Zuerst fällt mir die Jacke runter und ein netter Mann macht mich darauf aufmerksam, dann nimmt mir der Sicherheitstyp den Koffer ab und zieht in für mich zum Check-in, dort muss ich nicht extra bezahlen. Als ich dann im Wartebereich jemandem den Koffer gegen das Bein ramme (weil mein Gepäck nun wirklich nicht für einen Roadtrip passend ist) und mich entschuldige, lächelt er mich freundlich an und fragt wies mir geht - fast schon Angst einflößend! Unsere Busfahrerin dürfen wir „Mamma“ nennen (nicht „big mamma“, „little mamma“, „sexy mammy“ oder sonst wie - einfach mamma), und sie passt auf uns auf, weil wir Familie sind - ihr Worte.;)

Nun hat mir auch mein Nachbar seine Geschichte erzählt und mich dabei ausgefragt. Kaum glauben konnte er, dass ich aus Deutschland bin, das fand er ganz toll. Seit Langem kam aber wieder die alte Frage: „Ist das nicht eines der Länder, die einen, na so ’nen Diktator haben?“ „Die haben alle diese Leute da umgebracht“ war sein nächster Satz, auch wenn ich ihm versichern konnte, dass das lange vorbei ist. Ganz besorgt hat er sich dann erkundigt, ob es jetzt besser ist dort und ich sah mich schon durch seine Augen, als armer Flüchtling aus schrecklichen Lebensumständen - leicht ironisch, wenn man bedenkt, in welchen Umständen er lebt. Ich sei bestimmt froh, jetzt hier zu sein, meinte er und immerhin das konnte ich bejahen;). So bleibt die Fahrt spannend. Die Landschaft - der Hauptgrund, warum ich tagsüber fahren wollte - ist eher eintönig. So ist der erste Stopp meiner Reise schon wieder vorbei. Für Atlanta und Miami habe ich auch noch keine Unterkunft, aber mal sehen - drückt mir die Daumen. Jetzt werde ich erstmal New Orleans erkunden!!

Where do we go from here?

Donnerstag, 07.03.2013

"Travel changes you. As you move through this life and this world you change things slightly, you leave marks behind, however small. And in return, life - and travel - leaves marks on you. Most of the time, those marks - on your body or on your heart - are beautiful. Often, though, they hurt."
- Anthony Bourdain

Jetzt ist es vorbei. Nicht nur meine Zeit in Los Angeles, auch das Jahr meiner Praktika und Reisen. Ich verschone euch mit langen Rückblicken, Gedanken und Erinnerungen. Ich glaube, ich brauche jetzt erstmal Zeit, alles ein bisschen zu verarbeiten. Gerade LA scheint viel schneller vorbei gegangen zu sein, als alles andere. Und Abschiede werden auch mit Übung nicht einfacher. Dieser scheint bei weiten am schwersten. Nicht nur, weil ich die Stadt verlassen muss, den Ort von allen, an dem ich bleiben möchte, sonder auch, weil ich Freunde verlassen muss, Freundschaften, die tief und fest sind, weil ich eine Art Familie zurücklasse, mit der ich die letzten Monate so vieles geteilt habe: die Küche, das Haus, die Ausflüge, Lachen und Diskussionen, Umarmungen und Kino Besuche, ein amerikanisches Leben. Ich hab das Gefühl, wenn ich einmal anfange zu weinen, kann ich nicht mehr aufhören, aber mittlerweile habe ich fast das Gefühl, Perfektion darin entwickelt zu haben nicht darüber nachzudenken und alles auf Abstand zu halten. So fühlt es sich gar nicht wie ein Abschied an. Verdrängung 100% erfolgreich;). Und das, obwohl ich im Flugzeug sitze.

Es gab die süßesten Abschiedsgeschenke und Karten - und ich habe mir wieder einmal gedacht, wie unglaublich lucky ich doch bin, dass ich wieder so viele tolle Menschen kennenlernt habe und Zeit mit ihnen verbringen durfte. Die letzten Tage waren noch einmal ganz besonders schön, fast so als wollte die Stadt den Abschied noch schwerer machen. Donnerstag gab es eine letzte Veranstaltung, dafür mussten wir Freitag erst um 10.00 Uhr anfangen - und durften um 13.00 Uhr Schluss machen! Was für ein letzter Arbeitstag! Das war besonders bei dem Wetter toll, das sich von der besten Seite zeigte, wahre Sommertemperaturen bei mindestens 25°C. Kurzerhand sind M., M. (die neue Praktikantin) und ich zum Strand und: ins Wasser! Der Pazifik war trotz der Sommertemperaturen extrem kalt, aber ein paar Minuten haben wir es mutig ausgehalten:). Später ging es dann spontan zum Griffith Observatory, bei dem tollen Wetter. Im Freitagnachmittagsverkehr gerade rechzeitig, um den Sonnenuntergang in seiner ganzen Schönheit zu beobachten. Ein toller Abschied von LA!

Samstag war Villa Ausflug angesagt: Zuerst zur Getty Villa - die ich auch noch nie gesehen hatte und die einfach wunderschön und imposant ist (aber unsere Aussicht ist besser;)) und anschließend Wandern in den Santa Monica Mountains. Die Gruppe war super und es hat richtig Spaß gemacht! Kurzerhand - und weil wir am Verhungern waren - sind wir dann zum Korean Barbeque, das ich auch lange schon nicht mehr gehabt hatte - lecker. Und weil wir dann doch ziemlich voll waren, gab es eine kleine Nachtwanderung zum Griffith Observatory;) Gleich zwei Tage hintereinander…aber, da es mein absoluter Lieblingsplatz in Los Angeles ist, war das besonders schön.

Am Sonntag war ich ein letztes Mal am Strand laufen und anschließend in Santa Monica - mein persönlicher, kleiner Abschied. Denn abends gings dann zu Froggys (einer süße Kneipe in den Bergen) um mit (fast allen) lieben Menschen noch einmal zusammenzusitzen. Witzig: Es waren alle bis auf A. deutsch. Fazit: Deutsche essen schnell und reden wenig dabei. Aber wenn sie dann reden, geht’s um die wirklichen sozialen und gesellschaftlichen Probleme, Diskussionen mit eingeschlossen. Arme A., es war fast ein kleiner Kulturschock. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen, als sie mir das später, leicht eingeschüchtert erzählte. Die lieben kulturellen Unterschiede mal andersrum.

Am besten war der Montag. A. hatte den ganzen Tag frei und so gab es ein leckeres spätes Frühstück in unserem kleinen französischen Café. Danach hatte ich mir in den Kopf gesetzt, zu den La Brea Tar Pits zu gehen. Wer von euch den Film „My Girl“ gesehen hat, wird sie kennen. A.’s Kommentar im Vorfeld: „It smells really bad there!“ Aber da es mein letzter Tag war, ist sie mitgekommen;). Nunja unser Fazit: Es sind Teiche - aus Teer. Wenig beeindruckend oder besonders schön, aber jetzt habe ich sie gesehen. Die Ecke ist aber sehr nett, nebenan ist direkt das Los Angeles County Museum of Art und der Farmers Market, auf dem wir dann späten Lunch hatten - bei Sonnenschein draußen! Zum Nachtisch noch einmal Frozen Jogurt. Besser hätte es nicht sein können! Abends als kleiner Abschied gings von der Arbeit aus zu einem Empfang beim Schweizer Konsul und nach guten 2.5h Schlaf um 3.00 Uhr zum Flughafen.

Jetzt beginnt die Reise:

Flug von Los Angeles nach Houston, Texas

Busfahrt von Houston nach New Orleans, Louisiana (Die Stadt betont man übrigens auf dem „O“ und nicht, wie wir Deutschen, auf „“ea“;))

Zugfahrt von New Orleans nach Atlanta, Georgia

Busfahrt von Atlanta nach Miami, Florida

Und von dort dann der Rückflug nach hause.

Ich werde natürlich berichten, sicher ausführlicher als sonst aber es soll auch für mich als Erinnerung dienen, deshalb alles ausführlich.

And the Oscar goes to...

Dienstag, 05.03.2013

Es ist fünf Uhr morgens, alle Fehler etc. sind also auf die unmögliche Zeit zurückzuführen;)

Der Einstieg:

Die Woche vor dem Oscar war verhältnismäßig hektisch. Gästelisten mussten abgeglichen und aktualisiert werden - begleitet von der Panik, jemand Wichtigen übersehen zu haben, es musste aufgebaut und umgestellt werden und am laufenden Band klingelte es an der Tür mit irgendwelchen Lieferungen. Dazu durfte ich 500 gift bags für unseren Sponsor packen - eine angenehm meditative Arbeit in all dem Chaos. Die meisten Filme waren geschaut, fehlten eigentlich nur noch die Dokumentationen - immerhin gab es dort gleich zwei Nominierungen mit deutscher Beteiligung. So sind M. und ich am Mittwoch zur Academy of Motion Picture Arts and Sciences für einen Dokumentarfilme-Abend. Jeweils kurze 5-minütige Ausschnitte aller nominierten Dokumentarfilme und Dokumentarkurzfilme wurden gezeigt und anschließend gab es eine Diskussionsrunde mit den Regisseuren/Produzenten. Moderiert wurde das Ganze von Michael Moore. Alleine in der Academy zu sein war schon mal cool, der Abend (trotz schlechter Moderation) sehr spannend, aber das Beste waren wie immer die Leute. Irgendwer hat im Zusammenhang mit den Oscars gesagt, dass sich das Interessanteste auf den Frauentoiletten abspielt und ich kann dem nur zustimmen. Die Gespräche, die ich während der 2 Minuten Händewaschen mitbekommen habe, reichen um ein Buch zu füllen.

Die Fortsetzung:

Am Donnerstagabend gab es dann in der Gagosian Gellerie eine große Eröffnung der Richard Prince Ausstellung. Kurzerhand haben wir uns also auf den Weg nach Beverly Hills gemacht. Auch hier galt wieder: weniger die Kunst konnte uns fesseln, als das Publikum. Und seit ich weiß, wer Adrian Brody ist, finde ich es auch noch viel cooler praktisch neben ihm gestanden zu haben. Aber auch wenn weniger berühmte Leute da waren, mangelte es nicht an wichtigen und reichen Personen - mit exzentrischem Geschmack. Ich könnte stundenlang die Menschen beobachten - gerade in LA.

Der Höhepunkt:

Samstag war es dann soweit - für uns! Nachdem M. und ich Freitagabend noch - im wahrsten Sinne des Wortes - in letzter Minute shoppen waren, ging es morgens um 8.30 Uhr los. Danach gab es keine ruhige Minute mehr und ich musste zusehen, dass ich es noch geschafft bekam, mein Kleid anzuziehen und das unglaublich teure Make-up, das ich am Vorabend erstanden hatte, zum Einsatz zu bringen. Fast wäre ich in Trainingshose auf der Party gelandet. Und das, wo mich doch jeder Gast gesehen hat^^. Mein Job des Tages war es nämlich, oben an der Eingangstür zu stehen und zu kontrollieren, ob die Besucher bereits unten am Hügel eingecheckt hatten oder dies dann oben machen. So habe ich reichlich wenig von der Party an sich mitbekommen, aber immerhin jeden Gast gesehen. Es hat erstaunlich viel Spaß gemacht. So viel, dass ich auch nachher nur einmal kurz in den Garten geschaut, mir ein paar Cracker mitgenommen und wieder meinen Posten eingenommen habe. So konnte ich alle nachher wieder verabschieden.

Besonders toll war unser Shuttle Service (da es hier oben keine Parkplätze gibt). So war Audi mit einigen brandneuen, supertollen Autos da. Wenn die den Hügel hochfuhren und dann hier hielten, hat das schon was hergemacht. Besonders, da das Wetter nicht hätte besser sein können. Die Filmteams von „Amour“ (allerdings ohne Michael Haneke, aber dafür habe ich seinen Sohn kennengelernt - sehr nett!), „The Gatekeepers“ und „Open Heart“ waren da und noch einige mittelmäßig bekannte deutsche Promis. Außerdem gab es eine Beauty-Lounge und einen tollen Musiker. So hat mir meine erste Oscar Party, trotz Arbeit, viel Spaß gemacht. Die Nächste kann folgen;).

Der Ausklang:

So schön es den vorherigen Tag war, so anstrengend war es auch und so hatten wir alle das Bedürfnis Sonntag eher entspannt zu verbringen. Frühstück gab es morgens bei Dennys (ich kann ja nicht in den USA sein und nicht einmal bei Dennys Scrambled Eggs, Hash-Browns, Bacon und Pancakes gegessen haben). Als Ausgleich sind wir danach zum Spazierengehen auf den Hollywood Forever Cemetery gefahren. Da war ich auch noch nie gewesen und ich sage euch: wenn ich irgendwo beerdigt sein wollen würde, dann da! Wunderschön mit See und vielen Bäumen - eher wie ein Park. Weil wir nun schon mal direkt am Hollywood Blvd waren, sind wir einmal rüber und haben uns den roten Teppich aus der Nähe angeschaut - also so nahe, wie man aufgrund des 10m-hohen Zauns rankam. Immerhin. Nachdem wir das Ganze nun auch „live“ gesehen hatten, haben wir es uns nicht nehmen lassen die Awards in ihrer vollen Länge zu schauen. Endlich einmal ohne dabei um 3 Uhr nachts aufstehen zu müssen und irgendwann bei der Hälfte wieder einzuschlafen. Wer braucht schon eine offizielle Viewing Party…sogar ein Buffet (Reste des Vortages) gab es bei uns!

Das Ende:

Eigentlich war der ganze Rummel schon wieder vorbei, die Zelte hier und am Dolby Theatre abgebaut, da habe ich mein eigenes kleines Hollywood Erlebnis gehabt;). Als ich N. Montag von der Schule abgeholt habe und wir auf dem Rückweg nach Hause waren. Etwas spät dran, habe ich die erste Kurve unserer Straße recht rasant genommen und musste doch etwas heftiger bremsen, um nicht Hillary Swank umzufahren. Es gibt wahrscheinlich wenig bekannte Leute, die ich erkennen würde und noch dazu toll finde. Aber immerhin hat die Frau auch schon einen Oscar gewonnen (um aufs Thema zurückzukommen). Sie schaute allerdings etwas böse (was wahrscheinlich an meiner Fahrweise lag - verständlicherweise. Aber warum musste sie auch mitten auf der Straße stehen? (Ich nehme an, sie hatte ein Tier angefahren, zumindest schaute sie suchend in die Büsche am Straßenrand.) Ich bin dann lieber ganz langsam weitergefahren;).

Soviel zu den 85. Academy Awards.

L.A. Times - Life's stories

Samstag, 16.02.2013

“But there are people who take salt with their coffee. They say it gives a tang, a savour, which is peculiar and fascinating. In the same way there are certain places, surrounded by a halo of romance, to which the inevitable disillusionment you experience on seeing them gives a singular spice. You had expected something wholly beautiful and you get an impression which is infinitely more complicated than any that beauty can give you. It is the weakness in the character of a great man which may make him less admirable but certainly more interesting.”
― W. Somerset Maugham

Da es ein bisschen still hier geworden ist (von meiner und eurer Seite aus) und ich den nächsten längeren Eintrag noch nicht fertig habe, hier ein paar kurze Eindrücke für euch - enjoy!

Neulich war ich in Santa Monica unterwegs und wollte auf dem Parkplatz eines Restaurants eigentlich nur drehen, als eine Frau mir durch das offene Fenster „Stop! Stop!“ zurief. Ich habe dann mal auf sie gehört;). Sie schaute zum Fenster rein und meinte „Sorry, honey, could you give me a ride - könntest du mich ein Stück mitnehmen - ?“ Wie sie mir erzählte, arbeitete sie nur ein paar Blocks die Straße runter und war spät dran. Normalerweise - meinte sie dann, als ich ihr gesagt habe, sie solle einsteigen - würde sie nur Männer fragen (anscheinend war da die Erfolgsquote größer^^). Aber jetzt hätte sie mich da gerade gesehen und ich könnte jederzeit zu ihr in den Laden kommen, dann würde sie mir Rabatt geben;). So habe ich sie 5 Blocks mitgenommen und weg war sie. Es wird doch nie langweilig hier...

Auch in Los Angeles werden sofort, wenn man jemanden trifft, Visitenkarten ausgetauscht (etwas, bei dem ich immer noch nicht mitmachen kann, aber was würde ich auch auf so eine Karte schreiben? "Reisende" - das kling doch gut! Und ist hier gar nicht so weit hergeholt. Neulich drückte mir nämlich eine Frau - bestimmt Mitte 50 - ihre Visitenkarte in die Hand, auf der die schöne Berufsbezeichnung „Lebenskünstlerin“ stand. Only in LA….

Letzte Woche war ich hier in der Nachbarschaft im Fitnessstudio. Ich hatte einen 3-Tages-Guest-Pass, mit dem ich drei Tage kostenlos trainieren konnte. Vielleicht hätte ich mir sogar überlegt einen Monat dort zu trainieren, aber für stolze 175 $ konnten mich auch die kostenlosen Cremes und Haarprodukte, die minutiös gefalteten Handtücher oder neusten Geräte nich überzeugen. Obwohl das Trainieren auf dem Laufband mit Blick auf den Ozean, schon toll war (morgens fällt es mir einfach leichter aufs Laufband zu steigen als draußen zu joggen). Das Beste waren allerdings, wie immer, die Menschen. Am Sonntag habe ich einen Tanzkurs belegt. Außer mir bestand die Gruppe aus etwa 10 weiteren Frauen, alle bestimmt über 50, mit einer Kleidergröße 2 Größen unter meiner, dafür zweimal so viel Make-up und keine ohne nicht mindestens einer Schönheits-OP/Lippenaufspritzung oder wenigstens Botox - kurzum: unsere Nachbarschaft hier. Vor dem Spiegel in der Umkleide: „I look fat in this shirt.“ - „No, it looks great on you!”, “Aw, these shoes are adorable.” (besagt Schuhe waren pinke UGG Stiefel, getragen von einer mindestens 60-jährigen). Oder der Mann vorne am Telefon, der darüber sprach, dass er hofft das Wetter bleibt so gut, weil er unbedingt mit seinem Boot rausfahren will. Probleme hat man hier...

Soviel zu den Kuriositäten des Alltags:). Mehr folgt bald!

Road Trip

Freitag, 01.02.2013

“Thanks to the Interstate Highway System, it is now possible to travel across the country from coast to coast without seeing anything.”
— Charles Kuralt

Nachdem ich erst Anfang der Woche erfahren hatte, dass Montag ein Feiertag - und somit frei - ist, habe ich Mittwoch spontan überlegt, dass man das lange Wochenende doch für einen Ausflug nutzen kann. Irgendwas in der Nähe sollte es sein und so bin ich auf den Joshua Tree National Park und Palms Springs gekommen. Sonntagmorgen haben M. und ich uns somit um 7:30 auf den Weg gemacht, mit wenig Planung, aber viel Enthusiasmus;). 

Nach 2.5h Fahrt (typisch Amerika: immer geradeaus für 350km...echte Road-Trip Gefühle kamen da auf, besonders als die "Städtchen" immer Western-Style mäßiger wurden) hatten wir dann den Park erreicht. Am Visitors Center gabs Infos und Lunch zur Stärkung und auf gings!

Für Tag 1 hatten wir uns das weniger touristische Gebiet ausgesucht und haben uns den Kaktus Garten (inklusive 700m Rundeweg;)) plus Cottenwood Springs mit einer kleinen Wanderung vorgenommen. Alleine die Fahrt durch den Nationalpark war schon fantastisch! Joshua Trees sind einfach wunderschöne und faszinierende Bäume und die Vielfalt der Vegetation ist atemberaubend! Und das, obwohl es ja Wüste ist (technisch gesehen sogar zwei, die Mojave Wüste trifft dort nämlich auf die Colorado Wüste). Wir sind aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen! Besser als die Fotos (auch wenn sie nicht annährend so schön sind, wie die Realität) könnte ich das auch auf 3 Seiten nicht erklären:

Gegen Nachmittag haben wir uns Richtung Palm Springs und unserem Hotel aufgemacht. Obwohl es auf der Karte nicht so ausgesehen hatte, war es bis dahin noch einmal eine gute Stunde Fahrt. Die Stadt erscheint höchst seltsam, völlig fehl am Platz so mitten in der Wüste, von Bergen umgeben. Da gibt es plötzlich dunkelgrünen Rasen, kein Blatt liegt auf dem Gehweg und jeder Busch und jede Hecke scheinen mit dem Lineal geschnitten zu sein - verrückt! Sonst hatte Palm Springs auch eher wenig zu bieten, aber in „Downtown“ haben wir ein kleines Lokal zum Essen gefunden und mehr wollten wir ja auch nicht. Denn am nächsten Morgen, nach einem Frühstück mit Blick auf die Berge und untermalt von den patriotischen Reden zur Amtseinführung des Präsidenten im Fernsehen, ging es erneut in den Park.

Heute hatten wir uns mehr vorgenommen, aber auch eher die Gebiete, die am beliebtesten sind und so wich das „wir sind die einzigen Menschen auf der Welt“ ein bisschen dem Grüßen der anderen Wanderer, die uns auf dem Weg begegneten. Aber wirklich voll war es trotzdem nicht und ich habe mal wieder gemerkt, wie entspannend die Ruhe und Stille der Wüste ist. (Obwohl LA im Vergleich zu Tokyo und Cairo wirklich still ist;)).

Wir sind mehrere kurze und lange Wanderwege gelaufen und in den zwei Tagen bestimmt auf 12-15km gekommen. Lunch wollten wir eigentlich bei Key Views mit Blick über das gesamte Coachella Valley machen, aber der Wind und die doch recht kühlen Temperaturen haben uns davon abgehalten. In der Sonne war es sofort so heiß, dass es mir in langer Hose zu warm war, aber sobald man im Schatten war, kühlte es sich schnell ab. Außerdem gab es eine alte Goldwaschanlage, ein altes Bergwerk, das „Hidden Valley“, Skull Rock und einen ehemaligen Damm (in der Wüste^^) zu sehen. Die Wanderwege dort sind einfach unglaublich schön und abwechselungsreich, weil keiner dem anderen gleicht, nicht einmal von den Pflanzen und der Bodenbeschaffenheit. Der Plan war es eigentlich ganz stilecht in einem kleinen Diner irgendwo im nächsten Städtchen zu essen, aber so wirklich sagte uns nicht zu (bei einem haben wir gleich wieder kehrt gemacht, als aus dem Inneren die schrillen Klänge eines Karaoke-Gesangs kamen und auch Nr.2 passte irgendwie nicht). So sind wir dann doch bei einer amerikanischen Diner-Kette gelandet, was trotzdem noch irgendwie ins Road-Trip Gefühl passte.

und: Action!

Mittwoch, 23.01.2013

“As soon as anyone starts telling you to be “realistic,” cross that person off your invitation list.”    –John Eliot

   

Sorry für die lange Pause, es gefällt mir selbst nicht, wie wenig ich momentan zum Schreiben komme.

Ich bin im Oscar Fieber. Vielmehr im Oscar-Film-Fieber. Bisher abgehakt:

Django, Amour, Silver Linings Playbook, Promised Land (der ist nicht dabei, aus gutem Grund...), ArgoBeasts of the Sothern Wild

Noch auf der Liste stehen:

Lincoln, Zero Dark Thirty und A Royal Affair (der leider hier nicht mehr läuft :()

So viel war ich lange nicht mehr im Kino, aber ich nutze die Gelegenheit Filme im Original zu sehen und es ist gut, um abends rauszukommen. Das Kino in Santa Monica ist ja nur 15 Minuten entfernt.

Auch hier wird es eine kleine Pre-Oscar Party geben - mit strengem Zeitlimit von 14-16 Uhr, damit alle noch auf weitere Empfänge können. Irgendwie verrückt, aber ich freue mich darauf. Und wie wir Deutschen ja sind, fällt uns bei so was auch wieder ein, wie verbunden wir mit den Österreichern sind. Kein wirklich großer deutscher Film dabei? Ja, aber der Haneke ist doch fast Deutsch und Christoph Walz ist sowieso irgendwie Deutsch-Österreicher… Herrlich!

Vorletzte Woche war ich das erste Mal seit langem wieder Tanzen! Mit Blick über den Hollywood Boulevard. Das war schon nicht schlecht, auch wenn die Tanzstunde an sich leider nicht ganz so gut war. Und ob ich dafür jeder Woche 80 Minuten Fahrzeit (pro Strecke!) auf mich nehmen soll, weiß ich noch nicht. (Das wäre ja so, als würde ich in Bielefeld wohnen und in Dortmund tanzen gehen.) Letzte Woche war ich sowieso erstmal krank und so fiel aller Sport aus.

Letzten Sonntag war ich mit der Truppe hier in den Warner Brother Studios. Als ich nachgezählt und festgestellt habe, dass es schon fast 8 Jahre sind, seit ich dort das erste Mal war, war ich doch geschockt! Die Tour und der Tag waren jedenfalls richtig schön und wir hatten viel Spaß! Ein paar Einblicke in die Filmwelt und ein anschließendes Essen auf dem City Walk - perfekt. Obwohl ich jetzt schon so oft in LA war, macht es mir immer noch mal Spaß, Tourist zu spielen - oder vielmehr all das mitzunehmen, was die Stadt zu bieten hat.

Dass ich krank war lag, da bin ich mir sicher, an der unglaublichen Kältewelle, die California letzte Woche erlebt hat! Da waren es teilweise tagsüber wirklich nur knapp über 10°C! Jeder hat gefroren, die Heizungen liefen auf Hochtouren und es scheint, als lege es ganz Los Angeles lahm. Wir hatten jemanden für die Heizung bestellt, da die nicht richtig funktionierte und der gute Mann rief an und hat gesagt, dass sie wegen der Kälte so hinterherhängen mit Terminen, dass er frühestens den darauf folgenden Tag kommen könne. Man könnte meinen die Eiszeit ist angebrochen. Dafür ist es seit letztem Freitag wieder Sommer - und zwar richtig: Temperaturen von 25°C und mehr. Wenn man nach draußen geht, fühlt es sich genauso an, wie in Deutschland im Sommer. Ich liebe es!

Dementsprechend haben wir den Samstag für einen Strandtag genutzt und sind zum Point Dume gefahren. Der Strand in Malibu ist ein Traum. Wie ein Traum kamen uns auch die Parkgebühren vor, die bei locker 30$ (pauschal) lagen. Dafür war ich live bei dem romantischsten Heiratsantrag dabei, samt Gitarre, Liebeslied, Blumen und Diamantring. Da sind selbst mir die Tränen gekommen. Die Leute in LA wissen, wie man etwas mit Stil macht;).

Beim Praktikum gibt es weniger zu tun (wir sind jetzt auch wieder zu zweit), was auf Dauer doch etwas unbefriedigend ist, aber da alles andere einfach 100% stimmt, ist das ok. Nur die Zeit rast einfach. Eigentlich möchte ich in der Woche so viel machen, aber die Tage sind vorbei, bevor sie überhaupt angefangen haben.

Freitag war ich endlich wieder in Long Beach, für ein Wiedersehen mit meinen Mitbewohnerinnen. Da bin ich schon etwas wehmütig geworden, so viele Heimatgefühle hat es hervorgerufen. Dinner war voller Erinnerungen und eine schöne, entspannte Abwechselung. Entspannt war ich sowieso, immerhin musste ich freitags nachmittags Richtung Süden fahren - da braucht man für 50km schon mal 2 Stunden - das geht nur in entspanntem Zustand. Wahrscheinlich habt ihr schon gemerkt, wie viel ich über den Verkehr spreche. Meine Chefin hat dazu heute passend gesagt: „Überall auf der Welt redet man übers Wetter, hier in LA redet man über den Verkehr.“

Something new, something old

Sonntag, 06.01.2013

“Now more than ever do I realize that I will never be content with a sedentary life, that I will always be haunted by thoughts of a sun-drenched elsewhere.”
― Isabelle Eberhardt, The Nomad: The Diaries of Isabelle Eberhardt


Im Moment fehlt mir ein bisschen die Lust und Energie zum Schreiben. Außerdem gibt es so viel anderes zu tun, nicht so viel Neues zu erzählen und das Leben hier fühlt sich ein bisschen wie in einer Seifenblase an. Es ist einfach zu vergessen, dass eine Welt außerhalb LAs existiert und das ist mir ganz recht. Immerhin ist schon ein Monat hier vorbei, viel schneller als die letzten 11 und der tolle Plan, dass ich am Ende schon weiß, was ich dann machen will, ist irgendwie nicht aufgegangen. Also wäre jetzt mal ein guter Zeitpunkt darüber nachzudenken…aber mir gefällt es viel zu gut in der Seifenblase;).

Und obwohl ich mich aus dem ganzen Weltuntergangsgerede vollkommen rausgehalten habe (und es recht nervig fand), habe ich plötzliche für einen kurzen Moment gedacht, dass ich alles richtig gemacht habe! Das ich, wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, nichts bereuen oder anders machen würde! Und die Menschen, die mir wichtig sind, wissen das:)! Natürlich gibt es noch viel, das ich machen möchte (zum Glück ist die Welt nicht untergegangen)….was ich sagen will: Es ist ein tolles Gefühl zufrieden und glücklich mit seinem Leben zu sein. Wenn es einen besseren Weg gibt, das neue Jahr zu starten, weiß ich ihn nicht. Wenn da nur die Zukunft nicht wäre…

LA

Und was für einen besseren Platz das neue Jahr zu starten, als Los Angeles! R. und ihr Bruder sind zu Silvester von Kanada aus gekommen und ich habe es genossen jemanden da zu haben, den ich schon länger kenne! Unser Silvesterabend war ruhig und entspannt, genauso, wie ich Silvester mag. Nur das Feuerwerk hat gefehlt, denn das gab es leider nicht - und das, obwohl wir doch den besten Ausblick hier gehabt hätten. Am Neujahrstag gab es dann ein kleines Touristenprogramm und LA im Schnelldurchlauf. Ich weiß nicht, wer mehr Spaß hatte, R. und M. oder ich;). Es war einfach ein wunderschöner Tag mit super warmem Wetter. So sind wir nach Beverly Hills, Hollywood, hoch zum Hollywood Zeichen, zum City Walk und den Mullholland Drive lang, haben Cupcakes und Coldstone gegessen und es uns einfach gut gehen lassen. Schade, dass die beiden nur so kurz hier waren!

Jetzt beginnt das neue Jahr und gleichzeitig die Ab- und Anreisen bei uns. Bis Montag sind alle weg, die bei meiner Ankunft hier waren, dafür auch alle neuen Stipendiaten da. Der „Neuanfang“ tut sehr gut und ich freue mich richtig auf die nächsten zwei Monate!
Soviel erstmal in aller Kürze und um euch ein Frohes Neues Jahr zu wünschen! Vielleicht schaffe ich es, bald ein bisschen mehr aus LA zu schreiben.

There's no place like home for the holidays

Donnerstag, 03.01.2013

“In life, a person will come and go from many homes. We may leave a house, a town, a room, but that does not mean those places leave us. Once entered, we never entirely depart the homes we make for ourselves in the world. They follow us, like shadows, until we come upon them again, waiting for us in the mist.”
  - Ari Berk, Death Watch

Candy Cane Lane

Am Montag schon sind L. und ich nach der Arbeit zur "Candy Cane Lane" gefahren. Auf dem Weg gabs einen Starbucks Weihnachskaffee und Weihnachtslieder! Dann ging es mit zig anderen Autos im Schneckentempo durch ein Meer aus Lichtern! Aber nicht nur das, neben riesigen Holzfiguren, die angestrahlt wurden, gab es auch Weihnachtsmänner auf Motorrädern, aufgeblasen in Lebensgröße, Karussells, die sich gedreht haben, ganze Weihnachtsburgen, die Lieder gespielt haben und alles hat geblinkt und gefunkelt. Ganz nach dem Motto: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Teilweise lassen die Leute sogar ihre Gärten von Firmen dekorieren - verrückt! Aber toll sieht es natürlich aus und bei uns ist richtig Weihnachtsstimmung aufgekommen.

Freitag war dann für mich schon etwas eher Schluss, denn um 3 ging mein Flug nach Denver:)! Home for the holidays! Der Flughafen war ein Armeisenhaufen, da anscheinend halb Amerika verreist ist...mit Verspätung und über Las Vegas (wenigstens habe ich so mal den Strip aus der Luft gesehen) ging es nach Colorado! Nach über einem Jahr war es, wie immer, einfach nur schön, wieder da zu sein. Ich werde so oft gefragt, ob mir California oder Colorado besser gefällt und das ist fast unmöglich zu sagen. Aber davon abgesehen, dass Colorado einfach immer ein bisschen "Heimatsgefühl" mit sich bringt, finde ich es dort einfach nur schön! Ich liebe die Landschaft, die Berge und besonders das Wetter. Obwohl es richtig kalt werden kann, ist es meistens sonnig. Die Menschen sind auf eine ganz andere Weise nett und freundlich als in LA, die mir besser gefällt! Nur das Meer fehlt mir dort natürlich und auf Dauer wäre mir, glaube ich, zu wenig los. Jedenfalls waren die - leider nur - fünf Tage perfekt! Obwohl ich meine Familie an Weihnachten natürlich vermisst habe, hätte es nicht schöner sein können. Feiern mit der ganzen Familie; Heilig Abend bei den Großeltern, Kirche, Essen, Weihnachtslieder singen (in der Kirche haben sie sogar "Stille Nacht, Heilige Nacht" auf Deutsch gesungen - obwohl ich die Einzige war, die mitgesungen hat;)), Geschenke auspacken, spielen und relaxen! Viel mehr haben wir die Weihnachtstage über nicht gemacht! Heilig Abend hat es passend geschneit (5-10cm) und so habe ich dieses Jahr nicht nur Schnee mitbekommen, sondern sogar weiße Weihnachten gehabt! Am Weihnachtsmorgen haben wir dann Schnee geschüppt und mit dem Hund (neues Familienmitglied und einfach nur süß!) einen schönen Winterspaziergang gemacht:).

Am 22. waren C. und ich Weihnachtsgeschenke kaufen! Und da es ja tagsüber ein Gewühle in den Geschäften ist, sind wir um 19 Uhr in Ruhe los, denn viele Geschäfte hatten bis Mitternacht auf, manche sogar 24 Stunden....das haben wir dann auch gleich mal ausgenutzt und waren bis -ungelogen! - 1 Uhr nachts shoppen! Verrückt! Aber einfach nur witzig, denn völlig übermüdet hat man ja immer am meisten Spaß und so haben wir erstmal was für uns selbst gekauft;). Außerdem war ich das erste Mal in einem Kasino. Wir sind hoch in die Berge - wie habe ich die vermisst :) - damit Uroma ein bisschen spielen konnte. Ich war völlig überfordert. Alles war bunt und laut - Reizüberflutung...in der Cafeteria konnte ich mich nicht mal entscheiden, was ich essen wollte ;). Also habe ich mich erstmal an C. gehalten und wir haben das automatische Roulette ausprobiert…und natürlich verloren - ich, C. hat gewonnen. Ja, beim Spielen hatte ich noch nie viel Glück (wie war das mit dem Sprichwort? Irgendwie funktioniert das bei mir nicht...). Uroma hat sogar 570 $ gewonnen O_O! Ich habe entschieden, dass das Ganze nix für mich ist, dazu bin ich zu sparsam - ich gebe das Geld lieber für Starbuckskaffee aus, da habe ich wenigstens was davon;) Viel Spaß hatten wir den Tag aber auf jeden Fall!

Die fünf Tage waren viel zu schnell vorbei und ich hab insgeheim gehofft, dass mein Flug restlos überbucht ist und ich "leider" erst am nächsten Tag fliegen kann;) Auf jeden Fall war es die richtige Entscheidung Weihnachten in Colorado zu verbringen, auch wenn Flugpreise ein Dreifaches des Normalen waren, die Zeit hat mir einfach gut getan!!

The Sound of Music

Mittwoch, 19.12.2012

“Music expresses that which cannot be put into words and that which cannot remain silent”
―  Victor Hugo

Fazit des Wochenendes: lange Tage, kurze Nächte und „things are back to normal!“:) Denn was braucht es mehr als Musik und tolle Leute, um Zufriedenheit, Ruhe und ein bisschen inneren Frieden und Einklang zu finden?!

Das Wochenende hat eigentlich schon Donnerstagabend mit einem Benefizkonzert von IndieMusicCares im Whiskey A Go Go am Sunset Strip angefangen. Das Whiskey ist eine der bekanntesten Bars/Clubs hier, aber bisher war ich noch nicht dort gewesen. Die Veranstaltung war eigentlich eine Reihe cooler Indie Bands, die sich fast alle untereinander kennen und für einen Guten Zweck Musik gemacht haben. Die Atmosphäre war also super entspannt und familiär. Ich war nur froh, dass ich endlich wieder in LA bin, wenn so etwas los ist. Besonders schön war es, da A. und ich uns an dem Abend dort treffen wollten. 2 Jahre hatten wir uns nicht gesehen, das Witzige daran ist, dass wir uns vor gut zwei Jahren an fast genau demselben Ort auf einem Konzert kennengelernt haben. Es gibt nicht Schöneres, als Wiedersehen!:) Um 18 Uhr sollte das Ganze starten und so habe ich ein bisschen eher Schluss gemacht auf der Arbeit, obwohl ich eigentlich (laut google.maps) nur 25 Minute bis nach West Hollywood brauche - eigentlich. Denn wir sind hier ja in LA und da kann man für so eine Strecke auch locker mal 60 Minuten brauchen (und das war noch gar nichts gegen die 1:25h, die ich am nächsten Tag gebraucht habe)…. Ich hasse den Verkehr in LA! Allein 15 Minuten hat es gedauert, um die 300m Auffahrt auf den Freeway zu schaffen….

Das Konzert war einfach schön, auch wenn es an einem Donnerstagabend nicht ganz so voll war, wie erhofft. Aber so war die Atmosphäre angenehmer und die Bands hatten Spaß - wir natürlich auch! Dadurch, dass die Künstler alle eher unbekannt sind und sich alle irgendwie kenne, war es einfach ein tolles Punlikum und eine superAtmosphäre. Als es um 12:50 hieß, dass wir bis 1:00 alles abgebaut haben müssen, haben kurzerhand alle mit angepackt. Ich hab A. noch schnell nach Hause gebracht und bin dann um 3:15 selbst ins Bett gefallen.

Am nächsten Tag stand ja immerhin Arbeit an - zum Glück nur bis 15 Uhr. Erst dachte ich, ich kann mich noch kurz hinlegen, aber das hat natürlich nicht mehr geklappt - denn um 18 Uhr ging es weiter mit der nächsten Show im Formosa Café. Dort sollte es noch mal ein kleines Konzert mit etwa denselben Bands des vorherigen Abends geben - auf der Dachterrasse! Eigentlich kein Problem in LA, aber gerade am Freitagabend fing es an zu regnen. Nach kurzer Überlegung sind wir in eine kleine Kneipe/Bar - mit dem coolsten Rocker/Biker-Ambiente - umgezogen. Trotz Müdigkeit war es einfach nur ein perfekter Abend mit bester Musik, witzigen Gesprächen und verrückten Leuten! Es gibt einfach nichts Besseres als gute Live-Musik! Das Beste sind die Jam-Sessions am Ende, bei denen jeder der möchte auf die Bühne kommen kann, und dann wird zusammen gespielt! Irgendwie haben wir uns dann am Ende des Abends mit einem der Sänger im Schlepptau draußen vor der Tür wiedergefunden, dessen Bandkollegen schon vorher weggefahren sind, und der sich auch beim besten Willen nicht mehr dran erinnern konnte, in welchem Hotel er übernachtet. So ist es noch eine höchst amüsante Fahrt durch LA geworden, bis wir endlich das passende Hotel gefunden hatten…und so war es dann auch wieder nach 4 Uhr, bis ich in meinem Zuhause war.

Das wäre eigentlich gar nicht schlimm gewesen, immerhin war der nächste Tag ein Samstag - also kein Arbeitstag! Aber nun war es ja so, dass die Maler kamen und irgendwer ihnen die Tür aufmachen musste…ihr seht, was ich meine? So habe ich mir den Wecker wohl oder übel auf 7:45 gestellt und gleich einen zweiten auf 12:00., obwohl ich wenig Hoffnung auf Wieder-Einschlafen hatte. Um Viertel nach 8 war ich dann aber doch so müde, dass das theoretisch kein Problem gewesen wäre - obwohl ich den zweiten Wecker doch auf 11:30 umgestellt habe - das musste reichen. Jetzt waren die Maler aber draußen im Flur am verputzen und so habe ich lediglich knappe anderthalb Stunden vor mich hindösen können, bis es an der Tür geklopft hat, weil Nr. 1 etwas von mir wollte. Hatte ich erwähnt, dass es Wochenende war? Ich habe mich deshalb kurzum entschieden das erst zu machen, nachdem ich wenigstens noch bis 11:00 (Wecker ein weiteres Mal neu gestellt) geschlafen hatte. Keine halbe Stunde später (jetzt war es 10:15 - an einem SAMSTAG!) klopfte es ein weiteres Mal, weil Nr. 2 was brauchte - und zwar dringend!...Normalerweise wäre das kein Problem, normalerweise stehe ich auch am Wochenende früh auf, aber normalerweise gehe ich auch vor 4 Uhr ins Bett. Um Viertel nach 10 habe ich es dann also aufgegeben und meinen zweiten Wecker komplett ausgestellt. Soviel zu meinem Wochenende... Aber ich nehme an, das ist der Nachteil, wenn man auf der Arbeit wohnt.

Am späten Mittag habe ich mich dann auf den Weg in die Stadt gemacht, denn abends ging es ja weiter mit guter Musik;). Dieses Mal noch etwas privater und eher als Abschluss der drei Tage. Bevor ich A. abgeholt habe und wir nach Van Nys (wo das Ganze stattfinden sollte) gefahren sind, wollte ich eigentlich noch ein bisschen auf der Melrose Ave shoppen gehen. Aber viel weiter als Starbucks habe ich es nicht geschafft, nach zwei Nächten mit - naja - nicht ganz so viel Schlaf. Auf gings dann also ins Valley und ich war doch froh, nicht alleine dahin fahren zu müssen, denn Van Nys ist nicht gerade die beste Gegend LAs. Umso cooler war die „Wohnung"; vielmehr eine umgebaute Storage Unit (das sind eigentlich Lagerräume, die man sich hier in den USA mieten kann, um Sachen dort zu lagern). Die haben sich das aber zu einer richtigen Wohnung umgebaut, mit Bad, einer Art Küche und 3 Schlafzimmern. Plus einem Tonstudio. Das Ganze ist einfach super! Alles selbst gebaut und die riesigen, hohen Wände sind voller Graffiti…die Jungs hatten das „Wohnzimmer“ freigeräumt, damit die Bands dort aufbauen konnten. Nachdem wir am vorherigen Abend so viel Glück mit dem „Umzug“ hatten, schien am Samstag alles schief zu laufen. Es war auf jeden Fall ein ziemlich chaotischer und verrückter Abend. Dazu kam, dass die Hälfte der Bands gar nicht erst aufgetaucht ist und wir keine Ahnung hatten, was los war. Bekannt oder nicht, das macht, glaube ich, keinen Unterschied bei dem, was da alles so abgeht - verrückte Welt! Bevor wir den Abend aber ganz abgesagt haben, haben wir uns entschieden, das Ganze einfach klein zu halten und mit den etwa 20 Leuten, die zu dem Zeitpunkt noch/schon da waren und den Musikern, die aufgetaucht sind, einfach Musik zu machen. Das war für alle besser, als einfach nach Hause zu fahren und ma hat richtig gemerkt, wie es alle gebraucht haben. Wir hatten letztendlich trotz allem einfach nur Spaß! Jemand hatte eine große Kiste Schokolade mitgebracht und ich bin überzeugt, dass zu viel Zucker bei Erwachsenen bestimmt genauso wirkt, wie bei Kindern, aber vielleicht lag es auch an dem wenigen Schlaf… auf jeden Fall war es ein toller Abschluss der drei Tage!

Und seit Langem war ich einfach wieder richtig entspannt und schon Samstag, als ich unterwegs in LA war, hatte ich das erste Mal wieder das Gefühl, das eigentlich so zu LA dazugehört:).Warum ich immer wieder zurückkomme und sofort hierher ziehen würde (zumindest für gewisse Zeit). Die Sehnsucht nach Zuhause in der Weihnachtszeit ist dadurch aushaltbarer geworden. Vor allem aber fühle ich mich einfach wieder wohl. Zusätzlich war es einfach toll endlich wieder Live-Musik zu hören und A. wiederzusehen…. ein schöneres Wochenende hätte es nicht sein können!

Sonntagmorgen hat es glücklicherweise mit dem Ausschlafen geklappt! Zum Frühstück gab es sogar echte Sprinkles Cupcakes (eine Freundin zu haben, die bei Sprinkles arbeitet - DAS ist einfach das Beste;)!), die ich seit Ewigkeiten nicht mehr hatte. Wenn ihr noch nie Sprinkles gegessen habt, wisst ihr nicht, wie Cupcakes schmecken müssen! Nachmittags war ich dann kurz in Santa Monica. Es hat zwar leicht genieselt, aber das Wetter war eigentlich perfekt für meinen verschlafenen Tag. Ich musste einfach kurz raus, ein bisschen Ruhe finden nach den letzten Tagen und so bin ich die Einkaufsstraße runter, bis zum Strand und dann noch in den Buchladen - einfach ein netter Sonntag. Jetzt kann ich gar nicht glauben, dass schon meine 3. Arbeitswoche anfängt… und das in einer Woche schon Weihnachten ist - verrückt!

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